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Silvesternacht in der Eisenbahn

Weihnachten 1986 verbrachte ich mit meiner thailĂ€ndischen Ehefrau bei Freunden in Ban Kiew Luang, einem kleinen Dörfchen nahe Lampang. Zum Abschluß wollten wir noch ein zĂŒnftiges Silvester feiern, bevor wir uns wieder auf die RĂŒckreise machten: via Bangkok nach Ban Nong Waeng, einem ebenfalls kleinen Dörfchen nahe Roiet im Nordosten, wo wir unser HĂ€uschen haben. Am Morgen des 31. Dezembers kam uns die Idee, die Feier nach Chiang Mai zu verlegen, keine gute Idee, wie sich herausstellte. Wir fuhren also mit dem Pick Up meines Freundes dorthin und machten uns als erstes auf die Suche nach einer Unterkunft. Aber das am 31. Dezember! Kurz und schlecht - wir fanden keine Herberge, weder in einem der Luxushotels noch in der letzten Absteige, und guter Rat war teuer. Wir entschlossen uns daher, die fĂŒr den 1. Januar geplante Abreise um einen Tag vorzuverlegen. Unsere Freunde brachten uns zum Bahnhof, und das Geduldspiel um die Fahrkarte und das Bett konnte beginnen. "Sorry, the train is full!" Das war nun erstmal eine kleine Katastrophe - kein Hotel, kein Platz im Zug. Sollten wir etwa wieder zurĂŒckfahren und es am nĂ€chsten Tag versuchen?“ Sorry, the trains tomorrow and after tomorrow are fully booked."

Freundlich lĂ€chelnd, aber bestimmt gab die junge Dame hinter dem Tresen diese Auskunft. Noch freundlicher und interessierter wurde die Dame, als ich nun mit meiner Frau auf Thai beratschlagte, was zu tun sei. "Oh, ein Farang, der Thai spricht!" Nun mußte ich ihr erst einmal erklĂ€ren, warum das so ist, mußte erzĂ€hlen, wie oft ich schon im Land gewesen sei, was ich an Thailand so mag, kurzum, alles, was einen so interessiert, wenn man sich garnicht kennt,  wir unterhielten uns also aufs beste. Die Abfahrtszeit rĂŒckte nĂ€her. Und plötzlich erinnerte sie sich, daß wohl doch noch zwei Tickets fĂŒr Betten der 2. Klasse zu haben seien - die Vorbesteller werden wohl nicht mehr kommen. Und wenn doch? "Oh, wir werden sehen."

Nach einem herzlichen Abschied von unseren Freunden bestiegen wir also den Zug. Es waren tatsĂ€chlich alle PlĂ€tze belegt. Wir waren ein recht buntes HĂ€uflein im Wagen. Da waren EnglĂ€nder, Italiener, Deutsche und Thai, und die erste Stunde der Fahrt war noch nicht beendet, als wir uns schon zusammengefunden hatten.  Aus vielen Taschen und BehĂ€ltnissen waren plötzlich GetrĂ€nke und Speisen aufgetaucht und wurden ausgetauscht, fĂŒr Nachschub sorgte der Kellner aus dem Speisewagen. SpĂ€ter hatten die Zugbegleiter noch erhebliche MĂŒhe, die Betten herzurichten. StĂ€ndig wurden sie zum Mitessen und Mittrinken aufgefordert, und auch der Zugpolizist ließ es sich nicht nehmen, an unserer improvisierten und vielleicht deshalb so netten Sitvesterparty teilzunehmen. Um Mitternacht dann internationale GlĂŒckwĂŒnsche zum neuen Jahr - und gegen zwei Uhr war auch der standhafteste Mitfahrer in der Koje verschwunden.

Bahnfahrt

Noch vier Stunden Schlaf bis zur Ankunft in Bangkok.